top of page

Kunstankäufe Land Vorarlberg 2022-2024

1. Auflage 2025

​

Herausgeber:innen: Andrea Fink, Isabella Marte, Vorarlberg Museum und Galerie aller Art Bludenz

im Auftrag des Landes Vorarlberg 

© 2025 Bucher Verlag

​

Viktoria Tremmel

3 Collagen aus der Serie Rote Liste, 2023

 

Olivgrünes Gefieder, stahlblaue Stirn und Scheitelfedern, im Bereich der Kehle in ein Purpurblau spielend. Schwung und Schwanzfedern sind schwarzbraun gefärbt. Dieses Tier, ein Chatham-Glockenhonigfresser, lässt sich in seiner dezenten Pracht nur mehr als ausgestopftes Exemplar in einigen Museen betrachten.

Es ist ausgestorben und die letzte Sichtung eines lebendigen Tieres seiner Art liegt gut 100 Jahre zurück. Ähnliches gilt auch für viele andere Tiere, die auf der „Roten Liste“ der Weltnaturschutzunion als ausgestorben, stark gefährdet oder bedroht, aufgeführt werden. 

 

Viktoria Tremmel greift in ihrer künstlerischen Arbeit den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Artensterben auf, um einen Prozess des Gedenkens zu initiieren, der sein Vorbild in bewusstseinsbildenden Erinnerungskulturen hat. Dass Klimawandel und das Artensterben einen Zusammenhang bilden, ist eine wissenschaftlich fundierte Tatsache. Allerdings tritt uns diese zumeist in allgemeiner Form entgegen und

wir vergessen dabei oft die einzelnen Tierindividuen.  Die Verwendung von Gattungsbegriffen macht nie

ganz klar, welche Tiere wir bereits vernichtet haben und welche kurz davor sind, auszusterben. 

 

Im Falle des „Palmendiebs“, des „Tasmanischen Emu“ und des oben schon genannten „Chatham-Glockenfressers“ sind in der, mit den Tiernamen betitelten Collage, nur mehr die Silhouetten der Tiere sichtbar, um so die Leerstelle und ihr Fehlen anzeigen. Im Falle des „Palmendiebs“ (auch Kokosnussdieb genannt) wird schon in der Namensgebung des Tieres, die es als diebisch charakterisiert, eine Wertung deutlich, die vom menschlichen Eigennutz bestimmt ist. Der so bezeichnete, einzigartige und faszinierende Riesenkrebs, der über Jahrtausende hinweg eine ökologische Nische fand, wird mit dem Auftreten des Menschen zu einem Fressfeind und Dieb. Das ist eine klare Verkehrung des Opfer-Täter-Schemas und ein Zeichen der ausbeuterischen, räuberischen Art der Menschen, die sich dadurch auch selbst bedroht. Denn das Aussterben von Tieren und Pflanzen wirkt auf die Menschen als Schädigung und Zerstörung von Ökosystemen zurück.

 

Der Verlust von Arten, die bereits die Welt bevölkerten bevor sich Menschen entwickelten, wird auch an besonders prachtvollen Tieren deutlich, deren außergewöhnliche Schönheit sie bereits zum Gegenstand künstlerischer Gestaltung machten. Viktoria Tremmel charakterisiert dementsprechend ihr künstlerisches Anliegen als Beitrag zum kulturellen Gedächtnis, das auch politische Handlungsmotivationen schaffen soll.

bottom of page