top of page

Die Wunderkammer der anderen

Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V, 2024

​

​Kurartiert von Paula Anke

​

Vitrine aus Holz: Schammhaarberg unter Glassturz, Holz, Papmache/Gips, weibliche Schamhaare

Soundinstallation (Kopfhörer): Textauszüge aus dem Buch Anne Lister: Eine erotische Biographie von Angela Steidele, gesprochen von Dorothee Frank

​

Schamhaarberg – Eine Skulptur für Anne Lister

 

Diese Skulptur ist Teil einer Sammlung, die ich für die Ausstellung über Anne Lister im Volkskundemuseum zusammengestellt hatte. Anne Lister war bekannt dafür, die Schamhaare ihrer Geliebten aufzubewahren – ein intimes, persönliches Ritual, das ich in meiner Arbeit aufgegriffen habe. Aus diesem historischen Detail ist eine Skulptur entstanden, die nicht nur auf körperliche Nähe verweist, sondern auch auf Anne Listers Leidenschaft für das Bergsteigen.

 

Der Berg ist eine fiktive Landschaft – eine Imagination –, die sinnbildlich für die inneren und äußeren Aufstiege steht, die Anne Lister in ihrem Leben immer wieder gewagt hat. Er ist Denkmal, Erinnerung und Projektion zugleich.

In der Ausstellung in Berlin wurde der „Schamhaarberg“ in einer Vitrine präsentiert. Ergänzt wurde das Objekt durch eine Soundinstallation, in der Auszüge aus Anne Listers Tagebüchern zu hören waren – intime Stimmen einer Frau, die ihrer Zeit weit voraus war.

​​

Imagination ist ein notwendiges Mittel, damit die Vergangenheit in die Gegenwart wirkt. Dementsprechend hat Viktoria Tremmel eine Sammlung von "Erinnerungsstücken" zusammengetragen, welche die leidenschaftliche Sammlerin und Reisende Anne Lister als private Andenken gehabt haben könnte. (Kurt Kladler)

​

 

Viktoria Tremmel, “Come again a bit, Freddy”, 18. Nov. 1819


Anne Lister (1791–1840) gehört nicht zu den bekanntesten englischen Autorinnen. Das liegt in ihrem Fall nicht nur am Geschlecht, sondern auch daran, dass sie in ihren Tagebüchern neben alltäglichen Aspekten (etwa ihren finanziellen Sorgen), auch ihre erotischen Begegnungen mit Frauen freimütig und in expliziten Beschreibungen festhielt. Ihre Biografin Angela Steidele konstatiert: „Wäre sie ein Mann gewesen, müsste man sie Frauenheld nennen, Schwerenöter oder Heiratsschwindler, Lüstling, Wüstling oder einfach nur Schuft.“ Derartige Zuschreibungen machen deutlich, dass Sexualität auch heute noch Normen und Idealen folgt, über die sich Anne Lister selbstbewusst hinwegsetzte, und dies in einer Gesellschaft am Beginn des 19. Jahrhunderts, die für lesbische Frauen keinen Platz vorsah. Sie lebte ihr Leben in Beziehungen mit Frauen. In ihren Tagebüchern hat sie sich ihren eigenen Raum geschaffen und für ihre Sexualität und ihr Begehren eine sehr deutliche Sprache gefunden, die heute ein wichtiger Teil der Gay History ist. (Christa Benzer) 

​

Siehe auch https://www.viktoriatremmel.com/come-again-a-bit-freddy

​

Weitere Informationen zu diesem Thema findet man hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Lister

​

​

​

​

bottom of page